Der Wiki-Überprüfer… Endlich!

So… Wochenende. Endlich Zeit, etwas längere Beiträge zu bloggen und Themen aufzugreifen, die sich sonst nicht in der Mittagspause abarbeiten lassen…

Ein neues Kontroll-Tool macht in den letzten Wochen die Runde. Der Wikipedia-Scanner von Virgil Griffith enthüllt, welche Organisationen welche Seiten der Wikipedia manipulieren. Die Ergebnisse sind mannigfaltig. Die CIA manipuliert die Seite des Iranischen Präsidenten, die Österreichischen Parteien schönen ihre eigenen Einträge und diffamieren den Gegenkandidaten.

Zitat: „Spin“ heißt das in der PR: einem Ereignis den richtigen Dreh verpassen. Doch wenige innenpolitische Beobachter hätten den traditionellen Volksparteien zugetraut, die öffentliche Meinung im Internet derart ernst zu nehmen.

Das Problem ist nicht neu: Zu Zeiten des Siemens-Skandals manipulierten Siemens Mitarbeiter den Wiki-Eintrag von Klaus Kleinfeld. Dummerweise mit IP Adressen der Siemens-Server, was einerseits zeigt, dass Unternehmen die Wikipedia – oder besser ihre Reichweite – extrem ernst nehmen und andererseits, wie blöd sie sich dabei anstell(t)en. Mit der Firmen-IP… *kopfschüttel*.

Natürlich ist die Manipulation der Wikipedia verlockend: Scheinbare Anonymität gepaart mit der schnellen Editierbarkeit und dem gesellschaftlichen Impact. Da ist schnell mal ein Artikel im eignen Sinne manipuliert.

Und darum bin ich froh, dass es den Wiki-Scanner gibt, denn selbst wenn man jetzt immer noch aus dem Internet-Cafe heraus manipulieren kann, wird die Diskussion doch mehr Bewusstsein für die Eigenständigkeit der Wikipedia schaffen und die Erkenntnis fördern, dass jeder Spin im Long-Tail-Web früher oder später rauskommt.
Nochmal: Die Wikipedia ist ein unabhängiges Medium von Usern für User und nicht von Usern für Unternehmen. Das müssen Manager und PR-ler verstehen! Ich ärgere mich jedesmal, wenn solche Sachen rauskommen. Erstens, weil ich es grundsätzlich falsch finde und zweitens (und das ist wahrscheinlich relevanter), weil es meine täglich Arbeit als PR-ler extrem erschwert und ich dann wieder im persönlichen Gespräch Zweifel und Vorurteile ausräumen muss!

Die Frage ist nun natürlich, wie man z.B. mit nachweislich falschen Informationen umgeht. Hier gilt im Prinzip das gleiche, wie im PR-Umgang mit Bloggern. Änderungswünsche gehören – mit Fakten untermauert – auf die Diskussionsseiten der Wikipedia und nicht untergeschoben. Ich geh ja auch nicht zum Spiegel und schmier den Redakteuren in ihren Artikeln rum. Im schlimmsten Fall ruf ich an und mache auf einen nachweislichen Fehler aufmerksam.

Hoffentlich gibt es bald einen semantischen Wiki-Scanner, der Artikel aufzeigt, die in PR-Schreibe verfasst sind. Dann kann auch nicht mehr mit einer unverdächtigen IP-Adresse manipuliert werden.

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