Google, Blogger und die toten, alten Bäume

Oscar Bronner, seineszeichens Herausgeber des österreichischen Qualitäts-Blatts „der Standard“ (P.S. Danke für das lehrreiche halbe Jahr bei Euch in der Redaktion) hat – witzigerweise auch in der Online-Ausgabe – das Überleben von Print als Massenmedium vorhergesagt.

Zitat: Aber ist deswegen [durch das Internet] die Tageszeitung tatsächlich in ihrer Existenz bedroht? Sie wurde schon mehrfach totgesagt, erst mit dem Aufkommen des Radios, dann mit dem des Fernsehens. Das bisherige Überleben garantiert zwar nicht das künftige, aber bevor wir die Zeitung begraben, hier ein paar weitere Informationen:

  • Während im vorigen Jahr die Auflagen der Zeitungen in den USA und Deutschland um 2 Prozent gesunken sind, sind sie weltweit um über 2 Prozent gestiegen. Für die letzten fünf Jahre beträgt die Steigerung der Auflage weltweit 9,5 Prozent. Damit ist nur die Auflage der zu bezahlenden Zeitungen gemeint. Wenn man die Gratiszeitungen dazuzählt, beträgt die Steigerung sogar fast 15 Prozent.
  • Auch die Anzeigeneinnahmen sind in dieser Zeit gestiegen, und zwar sowohl weltweit als auch in den USA um mehr als 15 Prozent.
  • Und das Überraschendste: Während die Anzahl der Zeitungstitel nur in den USA leicht gesunken ist, ist sie sonst überall gestiegen: Um 5,6 Prozent in Europa und 33 Prozent in Asien, mit einem weltweiten Schnitt von 17 Prozent.

Abgesehen davon, dass Zeitungszuwächse in Afrika und Asien nicht das Überleben des Standards sichern, ist die Frage, die Oscar Bronner stellt, eigentlich die Falsche. Die Frage ist nicht, ob die Zeitung stirbt. Die Zeitung wird imho nach dem Gesetz der Mediensubstitution ihren Weg in Richtung Randerscheinung gehen. Das ist dann was für die Zielgruppe 60+ oder Menschen, die sich partout nicht von der haptischen Erfahrung lösen wollen können. Werbetechnisch ziemlich irrelevant und daher auch ohne große Möglichkeiten, teuren Qualitätsjournalismus zu praktizieren.

Die Frage ist viel mehr, ob der klassische institutionalisierte Journalismus (also als fest angestellter oder zumindest fester freier Redakteur bei einem Medium) mittelfristig überlebensfähig ist, oder ob sich das Modell des Social Journalism durchsetzt. Das sähe dann wie folgt aus:

Freie Journalisten publizieren auf ihren Blogs, werden (je nach Verlinkung und Traffic) von Google News oder ähnlichen Diensten gerankt und partizipieren an den Werbeeinnahmen. Dieses Revenue-Sharing ist als Prinnzip nicht ganz neu, wird aber derzeit kaum ernsthaft (medial) disskutiert. Vielleicht gerade desshalb, weil die Durchsetzung einer solchen journalistischen Landschaft das Ende des institutionalisierten Journalismus bedeuten würde.

Nichts desto Trotz sind solche vorgehensweisen auf dem Vormarsch. Top-Blogger wie Robert Basic leisten ja im Prinzip journalstische Arbeit, wenn auch nicht immer unter den Prämissen journalistischher Ethik… wenn dieser Begriff überhaupt irgendeine Relevanz besitzt. Gemeint ist Trennung Bericht/Kommentar uns so Kram. Und sie partizipieren z.B. über Google Adsense an den Werbeeinnahmen von Google. Das würde ich als Vorstufe sehen. Noch mehr in die Richtung gehen bloggende Journalisten wie Thomas Cloer oder Thomas Knüwer. Die könnten sich als bloggende freie Journalisten unterstützt durch Googles Revenue-Sharing durchaus halten, glaube ich. Wie gesagt wird noch ein zwei Jahre dauern. Aber dann setzt das Massenstreben der Zeitungen ein. Und dafür gibts ganz handfeste Gründe.

  1. Der Vertriebsweg der Zeitungen ist unfassbar teuer. DTP, Druckmaschinen, Papier, Distribution und Rücklauf kosten unglaublich viel Geld. Geld, dass man Online in die Qualität der Recherche und des Artikels stecken kann. Darum werden Online-Publikationen bald besseren Content liefern können als die Papiertiger. Von der Publikations-Zeit brach mer erst garnicht reden.
  2. In Zeiten voller Vernetzung braucht man die Institution Verlag nicht mehr in dem Maße, wie dasnoch vor 10 Jahren der Fall war. Natürlich sind Archive und freie telefone eine feine Sache, aber braucht man das wirklich noch in Zeiten von Internet und Festnetzflatrate?
  3. Weil plötzlich nicht nur die großen News im Netz vertrieben werden können, sondern auch Lokalnachrichten (durch lokale Blogger) betrifft der Google-Angriff nicht nur die überregionalen Medien, sondern auch Lokalzeitungen.
  4. Wann immer etwas passiert, ist ein Blogger zufällig vor Ort. Es wird immer öfter passieren, dass klassische Medien und Nachrichtenagenturen ausgescooped werden. In diesem Business ein immenser Vorteil-

Google hat jedenfalls schon mal einen weiteren Schritt in diese Richtung gemacht: Ab sofort wird auf Google News nicht mehr nur der Nachtrichten-Content der regulären Medien eingesammelt und weiterverbreitet – was selbige immer wieder verärgert – zu unrecht, wie nicht nnur ich finde. Nein, die Jungs aus Moutenview haben außerdem Abkommen mit verschiedenen Presseagenturen geschlossen, um die News direkt zu verbreiten.

One thought on “Google, Blogger und die toten, alten Bäume

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.