Zeitungsverleger klammert sich an das letzte stückchen Papier

Die Verlage sind verzweifelt. Verzweifelt und konzeptlos. Die Konzeptlosigkeit geht so weit, dass sich die Verleger jetzt schon an den letzten Fetzen Papier klammern… Und zwar mit dem guten alten haptischen Argument, wie Markus unlängst gelesen hat (natürlich auf Papier). Er Zitiert aus dem Editorial von Maximilian Mondel (Horizont):

“Die Haptik einer Tageszeitung, die man vor- und zurückblättern kann, ist im Vergleich zum 2043 sicher längst massentauglichen E-Paper einfach nicht zu toppen”, präsentiert Mondel sein Trumpf-As. Und dem “Sexappeal einer frischen, eben erworbenen Tageszeitung” sei “einfach nichts entgegenzusetzen. …  “Auch wenn viele 15-Jährige heute gedruckte Tageszeitungen nur vom Hörensagen kennen, werden sie später wissen wollen, was in der Welt um sie passiert.”

Makrus‘ Argumente sind natürlich alle stichhaltig. Was Herr Mondel natürlich übersieht, ist, dass das Haptik-Argument nur solange gilt, wie wir noch vor einem Display sitzen und mit einer Maus durch Nachrichten Scrollen. Und ich rede hier nicht vom elektronischen Papier. Das ist nur ein Übergang. Ich rede von der endgültigen Lösung des Interface-Problem. Die Matrix ist nah… und das mein ich nicht so richtig als Scherz.

2 thoughts on “Zeitungsverleger klammert sich an das letzte stückchen Papier

  • 10/02/2007 at 15:24
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    Schon so… ich finds ja immer lustig, dass die harten rechner, die flugs halbe redaktionen entlassen und den rest in präkären arbeitsverhältnissen unterbringen, nicht mal ganz kühl nachrechnen, was sie der print-vertriebsweg kostet. was könnt man für qualitativ geile jurnalistische produkte machen, wenn man diesen kostenklotz nicht mehr am bein hätte.

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  • 10/02/2007 at 15:14
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    „Die gedruckte Zeitung wird niemals sterben“ – das gäbe einen prächtigen Spruch auf dem Grabstein des traditionellen Verlegertums 🙂
    Was mich bei vielen JournalistInnen – Mondel ist ja kein Einzelfall – verblüfft, ist wie vehement sie sich an die klassische Form der Medien klammern, als gäbe es kein pipes, keinen river of news, keine mashups und wie die Möglichkeiten der Aggregierung, Aufbereitung und Rezeption von Information noch heißen mögen, die wohl in den kommenden Jahr(zehnt)en bestimmend sein werden.
    Dass sie sich um ein Vielfaches mehr auf die Qualität und Qualifizierung der journalistischen Arbeit konzentrieren müssten, kommt ihnen nicht in den Sinn.
    Und den Verleger möchte ich sehen, der in 20, 30 Jahren sich den Luxus leistet, dem Herrn Mondel eine gedruckte Zeitung zu produzieren, damit seine Haptik nicht durcheinander gerät.

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