Journalismus und PR: Gut und schlecht?

Georg regt sich unter dem sicher nett gemeinten Titel „PR sucks“ über Public Relations auf. Es ist sein volles und gutes Recht, wenn er das tut und das Video, dass er seinem Beitrag beigelegt hat, ist wirklich wirklich übel und wirft ein ganz schlechtes Bild auf meine Branche (ich find besonders die Tussi übel, die da irgendetwas von excited labert… iiiih). Soweit, sogut… ich reg mich auch immer über schlecht gemachte PR auf, weil sie nämlich meine Arbeit erschwert. Doch dann kommt ein Punkt in Georgs Artikel, an dem ich mich ein wenig geärgert habe. Da schreibt er nämlich:

„Warum ist die PR-Branche nicht ehrlich? Hält sie Journalisten für dumm? Dient PR ausschließlich dem Zwecke der Verschleierung?“

Das ist natürlich eine unzulässige Verallgemeinerung. Ist die PR unehrlich? Nur, wenn sie schlecht gemacht ist. Hält sie Journalisten für dumm? Nur wenn sie schlecht gemacht ist. Und dient sie der Verschleierung? Nur, wenn sie schlecht gemacht ist. Und ist sie, wie es Geogrs Hauptthese ist, größtenteils irrelevant? Ihr ahnt es schon: Nur, wenn sie schlecht gemacht ist, oder aber PR-ler denken, dass sie am meisten erreichen, wenn sie möglichst viele Journalisten mit einer Presseaussendung „beglücken“.

Im Übrigen ist es schon witzig, dass sich immer wieder (und ich meine jetzt nicht Georg persönlich, sondern den Journalismus im Allgemeinen) diejenigen über die PR beschweren, die am meisten von ihr profitieren. Mal ganz abgesehen davon, dass grob geschätzt 70% aller journalistischen Beiträge (von News mal abgesehen) bei der gegenwärtigen finanziellen und personellen Lage im Journalismus garnicht zustandekämen, wenn es die PR nicht gäbe: Ich habe, als ich noch als Journalist gearbeitet habe, ein paar Dinge mitbekommen, die echt krass sind: Da haben Journalisten im Vorfeld einer Pressereise einfach mal 100 Euro in Bar als „Spesen“ vom Veranstalter eingesteckt… ohne mit der Wimper zu zucken…. und ich musste mal auf geheiß meines Chefredakteurs eine Bildgeschichte über ein Unternehmen machen, weil die unglaublich viel Anzeigen geschaltet haben. Oder noch krasser: Wenn man sich als PR-ler heutzutage zu KEINEM monetärten Tauschgeschäften (Geld gegen Platzierung) mit den Medien bereiterklärt, dann wird man von denen ausgesperrt, wie das folgende Schreiben beweist.

krass.jpg

Ich könnte nun mit dem Duktus von Georg fragen: Dient der Journalismus einzig den wirtschaftliche Interessen der Verlage? Sind eigentlich alle Journalisten bestechlich? Warum ist der Jouralismus eigentlich nicht ehrlich?

Aber ich glaube das werd ich nich tun, weil ich weiß, dass nur schlechter Journalismus den wirtschaftliche Interessen der verlage unterliegt. Dass nur schlechter Journalismus bestechlich ist und das nur schlechter Journalismus unehrlich ist.

Sind also Journalismus und PR die gute und die böse Seite einer Medaillie, die sich Kommunikation nennt? Ich würde sagen nein. Entscheident ist immer, wie man etwas macht und nicht, das man etwas macht.

P.S. im übrigen zeigt das hier publizierte Schreiben, dass mir ein Kollege zugespielt hat, dass es durchaus auch PR-ler gib, die nicht an den verschleiernden Taktiken der Medien mitmachen. Das ist mal gute PR, oder?

P.P.S Ich habe das Schreiben unkenntlich gemacht, weil es mir hier nicht darum geht, jemandem ans Bein zu pissen, sondern darum, mal zu zeigen, wie es mache in den Medien mit der journalistischen Ethik nehmen.

5 thoughts on “Journalismus und PR: Gut und schlecht?

  • Pingback: virtual bites » Blog Archive » Wer “suckt” mehr?

  • 12/04/2007 at 10:02
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    Hallo Georg,

    schön, dass wir da einer Meinung sind. Wollte nur mal für ein bisschen Balance in der Wahrnehmung sorgen 🙂
    Es ist leider die gängige Wahrnehmung vieler Journalisten, dass Sie mit viel Müll zugeballert werden. Und ich glaube, das ist nicht ganz unberechtigt. Mittelfristige hilft da nur die weitere Professionalisierung der PR.
    Ich hatte ja mal die verrückte Idee eines RSS Channels, der Pressemitteilungen unabhängig und redaktionell vorsortiert, den Müll entfernt und dann per RSS themengebündelt an die Journis weitergibt.
    Aber am wichtigsten ist wohl, dass die Unternehmen und Agenturen sich weiter für Newswerte sensibilisieren lassen und vor allem nicht immer an den Gesamtverteiler senden. Denn was für den einen Journalisten interessant ist, muss den anderen nicht zwangsläufig interessieren.

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  • 12/03/2007 at 23:34
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    Halo aus Österreich! Klar gibt es auch gute PR, das habe ich nie geleugnet. Ich kenne einige Leute in der Branche, die einen perfekt unterstützen und für ihre Kunden in Gold kaum aufzuwiegen sind.
    Aber es gibt auch die andere Seite, die versucht zu vertuschen, zu verschweigen, zu steuern und auch manchmal zu korrumpieren.

    Wobei wir gleich auch auf der anderen Seite sind. Klar gibt es auch schlechten Journalismus. Genug davon. Ich selbst bin weit davon entfernt, mich gut zu nennen. Auch ich hab schon wegen einer Pressereise die eine oder andere Geschichte größer gemacht, als nötig. Auch ich hab schon schlampig recherchiert und so weiter und so fort.

    Wir Journalisten tendieren manchmal arrogant auf PR runter zu schauen. Aber wenn ich geschrieben habe, dass zum Großteil Schrott meine Mailbox füllt, so stehe ich dazu.
    Und gerade im Technikbereich ist man – wenn man das will – oft vor den PR-Abteilungen und -Firmen informiert.
    Cheers Georg

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  • Pingback: PR himmelblau, gebasht und recherchiert « Das Textdepot

  • 12/03/2007 at 10:47
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    Hallo Flo,

    ich kann Dir nur zustimmen: Genauso wie es gute und schlechte PR gibt, gibt es guten und schlechten Journalismus. Da wird schon mal die PR-Agentur angerufen und gefragt, ob man denn das mehrere hundert Euro teure Testgerät nicht behalten könne, und der Ein oder Ander PR-Kollge setzt sich – insbesondere online – immer wieder in die größten Fettnäpfchen. Fazit: Schimpfen bringt nichts, beide Seiten sollten an der Qualität arbeiten und sich darüber im Klaren sein, das sie ein Vertrauen zu verlieren haben

    Grüße, Bastian

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