Propaganda 2.0

Immer wieder wird betont, wie das Web 2.0 zu mehr Demokratie führt. Naja… das kann man so oder so sehen. Jedenfalls kann man seit neuestem das Videoblog von Dmitry Medvedev anschauen. Übrigens für alle, die russisch nicht so gut können, gibts auch englische Untertitel. Naja… jedefalls wird das höchstwahrscheinlich nicht wirklich demokratiefördernd sein. Oder doch? schließlich ist sein „Boss“ ja auch ein lupenreiner Demokrat.

5 thoughts on “Propaganda 2.0

  • 11/02/2008 at 06:43
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    Früher hat man mal revolutionäre Situationen dadurch definiert, daß Klassenzugehörigkeit und Klassenbewußtsein vorliegen müssen, schöne Grüße vom alten Charlie Marx. Dann macht ‚mal, Ihr Web-2.0-er, muß ja nicht gleich ’ne Revolution sein, aber ein bißchen ‚was verändern könntet Ihr schon, wenn Ihr Euch anstrengt, vielleicht sogar in Rußland, aber noch viel wichtiger, in den USA.

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  • 10/31/2008 at 13:14
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    Frank Du sprichst da ein Thema an, das mmn ganz wichtig ist. Ich beschäftige mich familiärbedingt (Freundin ist in der UdSSR geboren) öfter mal mit Russland und der dortigen Politik und den Medien. Interessant ist: Die Tatsache, dass die russischen Medien weitestgehend gleichgeschaltet sind und de facto Demokratie insofern verhindern, als das eine kritisch hergestellte Öffentlichkeit eine Vorbedingung dafür ist, wird von einer Vielzahl von Russen (und ich kann hier nur meine persönlichen Erfahrungen geltend machen) nicht nur ignoriert, sondern sogar gut geheißen. Mag sein, dass das mit der „alten“ sozialistischen Medienauffassung zu tun hat, wonach Medien dazu dasind, indirekte Kontrolle über das Volk auszuüben. Die Web 2.0-Ansprachen von Medvediev gehen daher nicht auf das Fortschrittskonto der Demokratie sondern, sondern – in dieser Diktion – haben auch sie eher systemerhaltenden Charakter. Wäre mal eine interessante Herangehensweise: Möglichkeiten des Web 2.0 als Instrument der politisch/wirtschaftlichen Machterhalts. Ganz nach Chomsky’s Media Control.

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  • 10/31/2008 at 12:37
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    Also, wenn ich Russe wär, vielleicht nicht unbedingt ein neureicher Fussballclubeigner oder ein sibirischer Bauer, vielleicht einfach nur ein einfacher Angestellter oder Kleinunternehmer ohne Parteibuch aber mit Patriotismus im Herzen (sowas kennt man hierzulande nur vom Fussball?) und DSL in der Wohnung, dann glaub ich, ich empfände Medvedevs Wirken im Web2.0 als gut für Russland, gut für die demokratische Entwicklung, gut für den Fortschritt des Landes.

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  • 10/30/2008 at 16:34
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    Das Web spiegelt erst einaml das Leben wieder – auch die weniger schönen Seiten.
    Ohne Web könnten wir das Medwedjev-Video nicht sehen. Das wäre gut?
    Es gäbe auch keine rassistischen oder diskriminierenden Seiten – das wäre sehr gut!
    Demokratie schafft es in dem Sinn, als es Menschen die Möglichkeit gibt an die Öffentlichkeit zu treten, die dies sonst nicht könnten. Wie vorstehend angedeutet, hat das auch Schattenseiten.

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  • 10/30/2008 at 12:37
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    Was war zuerst da, die Demokratie oder Web 2.0? Was gab’s früher, „lupenreine Demokraten“ wie Medvedyev bzw. seinen „Boss“ oder Web 2.0? Web 2.0 steht eben jedem zur Verfügung, das will es doch auch, oder?
    Die Google-Anzeige „Russische Frau für Heirat“ unter dem Post – wie witzig, hätte Gamaschen-Colombo jetzt wahrscheinlich gesagt – läßt entlarvenderweise vermuten, daß Google die Beiträge scannt und seine Anzeigen entsprechend plaziert. So wird Web 2.0 sicher ganz gewaltig an Glaubwürdigkeit gewinnen! Irgendwann werden das vielleicht auch die Konsumenten des Medvedyev-Blogs und anderer merken. Ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, daß dumpfe Propaganda, wo immer sie verbreitet wird, auf die Dauer eine kürzere Halbwertzeit hat als die Ergebnisse aufmerksamer Beobachtung, aber manchmal dauert’s eben länger.

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