Die Medien sterben, der Journalismus lebt

Wirtschaftskrise ist immer auch gleich Medienkrise, ich habe es an verschiedener Stelle schon ein paar mal zu Blog gegeben. Die Klassischen Medienunternehmen, insbesondere die Zeitungsverlage stehen vor richtig schweren Zeiten und wer sich nicht an die neue Welt anpassen kann, wird untergehen. Zahlen gefällig: In den letzten Tagen sind ja wieder ein paar rausgekommen:

Christiane hat ein paar sehr interessante Zahlen zusammengtragen: Hier die Highlight (oder besser Lowlights)

Zeitung bzw. Unternehmen

Umsatz 2009

Anzeigen 2009

Einsparung

Stellenabbau

Honorar- und Reiseetats

Gruner+Jahr

k.A.

dramatische Einbrüche aufgrund des 2. HJ. 2008 erwartet

k.A.

118

-20 Prozent

WAZ (Mantelredaktion + Lokalredaktion)

-20 bis -30 Mio EUR

-10 bis -17 Mio EUR

-22 Mio. Euro

68 + 207 = 275 (davon Redaktion: 247)

k.A.

Süddeutsche Zeitung

k.A.

dramatische Einbrüche aufgrund des 2. HJ. 2008 erwartet

-15 Mio. EUR (davon 5 Mio. EUR Redaktion)

k.A. bzw. in Verhandlung

-20 Prozent

Sat 1

k.A.

k.A.

k.A.

225

k.A.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

k.A.

k.A.

k.A.

Einstellstopp

k.A.

Nicht so richtig schön, oder?

auch die Auflagenentwicklungen sind alles andere als prickelnd (Zahlen auch von Christiane).

Auch bei den Fachmagazinen sieht es übel aus, wie auch der Telemedicus berichtet (sehr lesenwert übrigens) und in den USA sieht es noch viel übler aus.

Das gleiche Bild auch beim Werbemarkt, wie Robin auszurechnen versucht.

Die Mediaagenturgruppe Zenith Optimedia hat vor einigen Tagen ihre Prognose vorgestellt: Sie erwartet demnach einen Rückgang des deutschen Werbemarktes um 4,6 Prozent, also um insgesamt 948 Mio. Euro. Besonders hart werde es die Zeitungen treffen, denen ein Rückgang von 6,1 Prozent  bzw. 411 Mio. Euro bevorstehe.

Gleichzeitig zwackt Google einen immer größeren Teil der Werbeetats ab: Die Medien müssen also nach dem Wegfall der Kleinanzeigen nun auch klassische Werbeetats kompentieren.

Ist das also das Ende des Journalismus? Ich würde sagen nein. Es könnte aber der Anfang vom Ende der klassischen institutionalisierten Medien werden. Nämlich dann, wenn die es nicht schaffen, ihre Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. Oder wie es Heinz ausdrückt:

Je mehr die Gesellschaft zu einer Informations- oder Wissensgesellschaft wird, desto größer wird der Bedarf nach verlässlicher Information. Das Leben von immer mehr Menschen hängt davon ab, dass sie nicht nur über Politik, sondern auch über Entwicklungen in der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien informiert werden. Je mehr Firmen und Organisationen auf Kommunikation angewiesen sind, desto wichtiger werden neutrale Informationsquellen. Wenn journalistische Qualität weniger von Unternehen (Verlagen) finanziert wird, wird der gesellschaftliche Druck wachsen, die anders zu ermöglichen, z.B. im öffentlich-rechtlichen System und durch Non-Profit-Organisationen und NGOs.

Ein paar interessante Ansätze gibt es bereits. Eine ganz einfache und einleuchtende Methode wäre die Spende. Wengleich vielleicht nicht für Medienkonzerne, die dem Diktat der Profitmaximierung unterstehen. Aber das ist vielleicht gar nciht so schlecht und würde PR auch wieder zu mehr Glaubwürdigkeit verhelfen. Denn wie dieses Beispiel der W&V zeigt, sollte man beim Medienkonsum von Inhalten, der notorisch klammen Verlage besonders kritisch sein.

Allerdings müssen auch die Onliner besonders hier in Deutschland entlich mehr Leisten. Denn momentan sind die einfach nur die contenttechnischen Lichenfledderer der Printredaktionen.

3 thoughts on “Die Medien sterben, der Journalismus lebt

  • 12/19/2008 at 07:23
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    Danke für die Anschlusskommunikation!

    Ich glaube, dass bei den Medien zur Zeit Voraussagen so schwierig sind wie in der Wirtschaft insgesamt. Heute sagt hier in der Kleinen Zeitung der Präsident der österreichischen Industriellenvereinigung, dass sie dort keinerlei Modelle haben, die Prognosen erlauben.

    Noch ein Gedanke zu den Leistungen der Onliner: Man muss auch hier erst den „Mehrwert“ schaffen, dann werden schon Erlösmodelle kommen. Es fehlt vielleicht ein „großer Knoten“, etwas wie die Wikipedia, das von Netzwerkeffekten profitieren könnte. Aber vielleicht ist das bei Nachrichten nicht möglich. (Notiz an mich selbst: Huffington Post und OhMyNews ansehen!)

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  • 12/18/2008 at 01:41
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    Die PR-ler in den Unternehmen werden sich noch irgendwann die Augen reiben, wenn ihnen die guten alten Printmedien mangels Anzeigen ihrer Unternehmen wegbrechen. Mit der Konzentration auf Google und Komplizen werden sie wichtige Kundenpotentiale außen vor lassen. So schnell geht der Medienwandel nämlich nicht vonstatten. Und das wird der PR-Branche und ihren Auftraggebern dann schmerzhaft auf die Füße fallen. Wegen der Kurzsichtigkeit einiger Beteiligter entwickelt sich da eine prozyklische, unselige Spirale.

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  • 12/17/2008 at 11:10
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    In der Tat Besorgnis erregende Zahlen. Nun ist es glücklicherweise nicht so, dass die PR-Branche davon noch nichts mitbekommen hätte. Allerdings tun sich viele in ihrer täglichen Praxis offenbar noch relativ schwer damit, angemessen auf die Veränderungen zu reagieren. Einen guten Überblich über Meinungen, Befindlichkeiten und Strategien dazu gibt die Studie „Social Media – Wie die PR den Medienwandel verpasst“, die K-MB zusammen mit der UdK Berlin durchgeführt hat. Die Studie ist jetzt als Buch bei Helios Media erschienen.

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