Bauerntricks in Internetforen: Ist das jetzt unsauber?

Lese heute auf Lobbycontrol von einem weiteren PR-Eklat im Internet, der sehr schön aufzeigt, wie und wo die Grenzen der PR-Arbeit im Netz verlaufen und das öffentliche und private Personen im Netz kaum oder garnicht auseinanderzuhalten sind.

Der Deutsche Bauernverband hat offenbar internetaffine Mitglieder dazu aufgefordert, sich aktiv in Internet-Foren zugunsten des Bauernverbandes zu beteiligen.

Ich frage mich ja, inwiefern das jetzt verdeckte PR ist, oder nicht. Stein des Anstoßes ist wohl vor allem ein internes E-Mail, das laut LobbyControl besagt:

Wie eine Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in dieser Email erklärt, sei es Ziel der “Internet Task-Force”, “Diskussionen und Meinungsbildung gegen den Bauernverband frühzeitig zu entdecken, aktiv einzugreifen oder selbst auch Themen positiv zu besetzen”.

Also wenn ich mich noch halbwegs an meine Ausbildung erinnere, dann ist das ziemlich genau die Definition von Issues Managent. Themen aufgreifen, bevor sie eskalieren und im richtigen Moment eingreifen. Die Frage, die dahintersteckt ist doch folgende: Ist es verwerflich Verbandsmitglieder mit Argumenten zu briefen, um Ihnen Hilfestellung in einer Onlinediskussion zu geben? Ist es verwerflich Verbandsmitglieder auf die Wichtigkeit von Internetforen hinzuweisen und darauf aufmerksam zu machen, dass man dieses Feld nicht nur dem (politischen) Gegner überlassen sollte? Ist man noch Privatperson, wenn man sich die Argumente des Verbandes dann in einer Online-Diskussion zu eigen macht?

Ich finde nicht. Diskussion lebt von unterschiedlichen Standpunkten und die kommen durch unterschiedliche Interessen zustande. Klar, dass der Bauernverband und die dort organisierten Privatpersonen die Diskussion in seinem Sinne beeinflussen wollen. Aber das will jeder, der an einer Diskussion teilnimmt.

Natürlich wirft das auch eine andere Frage auf: Kann man PR crowdsourcen? Genau das sollte hier – von außen betrachtet – wohl passieren.

Update: Heute (17.6.) ist der Bauernverband, wie LobbyControl berichtet in einer Pressemitteilung zurückgerudert und spricht nun bei seinem Vorgehen von einem „Mißverständnis“

One thought on “Bauerntricks in Internetforen: Ist das jetzt unsauber?

  • 06/18/2009 at 00:57
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    Beim Eishockey ist ein Bauerntrick, wenn man hinten ums Tor herumfährt und dann auf dem Rückweg nach vorne dem Torwart die Scheibe in dessen Rücken in die Kiste schiebt. So ähnlich ist das hier auch. Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, politische Ziele in einem Blog zum Ausdruck zu bringen, im Gegenteil. Aber es ist schon ein Unterschied, wenn das irgendein Privatmann oder ein (halb-)professioneller Journalist tut und wenn sich registrierte Mitglieder eines Verbandes von dessen Führung dazu anstiften lassen, vor allem, wenn diese Mitglieder sich dann nicht als solche zu erkennen geben. Damit wird nämlich der Versuch unternommen, den Leser hinsichtlich der tatsächlichen öffentlichen Meinung zu bescheißen oder zumindest in die Irre zu führen, um zwar politisch formulierte, letztendlich aber materielle Ziele damit zu verfolgen. Man höre sich nur den Aufschrei unseres Reichsnährstandes an, als die saftigen Brüsseler Subventionen nun individuell veröffentlicht wurden. Vorsätzliche Erregung eines Irrtums mit der Absicht sich dadurch einen rechtswidrigen materiellen Vorteil zu verschaffen, nennt man gemeinhin Betrug. Glücklicherweise ist es im Web ähnlich wie im Eishockey: auf plumpe Tricks fallen nur noch die ganz Doofen herein, und weil's am Ende doch herauskommt, sind die Autoren solcher Aktionen fast genauso doof.

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