(Meine) PR-Trends 2010

So. Frisch zurück aus dem weihnachtlichen Kurzurlaub und rein ins neue Jahrzehnt. Was bietet sich da mehr an als eine kleine Vorschau auf das, was in diesem Jahr aus meiner Sicht angesagt sein wird im PR-Bereich. Wissen kann man’s natürlich nie, aber ein paar Trends sind schon erkennbar.

  • Social Media entwickelt sich weiter in Richtung „Alltagsgeschäft“: Die Krise der klassischen Medien wird auch 2010 anhalten, bzw. sich sogar noch weiter verschärfen. Der gesamte private Mediensektor steckt tief in der Todesspirale aus sinkender Reichweite, weniger Werbeeinnahmen und geringerer Qualität durch den daraus resultierenden Personal- und Budgetabbau. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie sich quasi zwangsläufig alternative Kommunikationskanäle suchen müssen. Was liegt da näher als das Social Web? Dieser Logik werden sich 2010 viele weiter Unternehmen anschließen.
  • Klassische PR bleibt ein wichtiges Standbein, muss aber verknüpft werden: Bei aller Schadenfreude Euphorie über die Umwälzungen hin zu Social Media: Klassische Medien werden auch 2010 noch eine sehr gewichtige Rolle in der PR spielen. Sie sind eben doch riesige Verstärker und auf die sollte man sinnigerweise nicht verzichten. Sinnvoll scheint mir jedoch gerade bei (PR-) Kampagnen, eine Verknüpfung zwischen Offline- und Online-Maßnahmen herzustellen. 2009 habe ich davon realtiv wenig gesehen. Wohl auch, weil beide Disziplinen sich eher isolationistisch Verhalten haben.
  • Kommunikationsdisziplinen aller Bereiche, vereinigt euch! Aus dem letzten Punkt abgeleitet muss also 2010 unter diesem Motto stehen. Das gilt übrigens nicht nur für die einzelnen PR Diziplinen, sondern für alle Bereiche eines Unternehmens, die mit Kommunikation zu tun haben: Klassische Bereiche wie Marketing, Unternehmenskommunikation und PR ebenso wie CRM, Einkauf und HR. Einige Unternehmen werden sogar noch weitergehen und (eigentlich sinnvoller Weise) jeden Mitarbeiter miteinzubeziehen. Denn der ist auch innerhalb von ein paar Klicks zum Medienmacher mutiert.
  • Unternehmen beginnen sich zu verändern: Der eben genannte bis in die letzten Prozesse integrierte Kommunikationsansatz hat allerdings massiven Einfluss auf die Prozess-Ebene der Unternehmen. Erste Unternehmen werden 2010 damit beginnen, ihre Prozesse langsam umzustellen und sie an die veränderten Kommunikationsbedingungen anzupassen. Dies dürfte die ersten auf Kommunikationsprozesse spezialisierten Unternehmensberatungen auf den Plan rufen, denn die bisher auf dem Markt tätigen Dienstleister weisen diese Kompetenz noch nicht auf. Große MarKom Agenturen könnten ebenfalls Spieler Auf diesem Markt werden.
  • Die Zeit der Experimente ist vorbei: 2008 und 2009 waren gekennzeichnet durch Trial-and-Error Verfahren, um zu einer vernüftigen Social Media Kommunikation zu gelangen. 2010 wird das in weiten Teilen nicht mehr funktionieren. Unternehmen haben bereits Erfahrungen gemacht und lassen sich nicht mehr jeden Blödsinn aufschwätzen. Ausnahmen bestätigen hier natürlich die Regel. Dies sollte (hoffentlich) zu weniger peinlichen Pannen führen, die dann in diesem Blog plattgewalzt werden 😉
  • ROI wird zur zentralen Meßgröße: Im Zuge der bereits angedeuteten Industrialisierung der Social Media Kommunikation wird auch die Messbarkeit der Maßnahmen neue Bedeutung gewinnen. Gerade in einem Krisenjahr will niemand sein Geld für Dinge rauswerfen, die nicht nachweislich funktionieren. Außerdem existieren mittlerweile reliable Modell zum Nachweis des ROI von Online-Kommunikationsmaßnahmen. Dementsprechend werden sich vor allem PR-Agenturen umstellen müssen, denn gerade dort ist Meßbarkeit bis heute ungefähr so beliebt, wie amerikanische Soldaten in pakistanischen Terror-Camps.

Bild: CC-by August Bernhard Rave (Hrsg.): „Gaspare Traversi. Heiterkeit im Schatten“. Ausstellungskatalog, Staatsgalerie Stuttgart 2003. Hatje Cantz Verlag. ISBN 3-7757-1354-9.

6 thoughts on “(Meine) PR-Trends 2010

  • 01/18/2010 at 16:20
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    „Social Media entwickelt sich weiter in Richtung “Alltagsgeschäft““ Bis jetzt halte ich Twitter und ähnliche Social Media für ein Hype, nur angeheizt von den die damit gerne Geld verdienen möchten. Aber Sie haben recht wenn Sie sagen dass Unternehmen suchen nach neue Werbungsmöglichkeiten da die alte wegbrechen. Und die Soziale Media könnte ja dieses Loch füllen. So hätte ich es noch nicht betrachtet. Mobil wird ein wichtiges Stichwort sein für 2010. Maßgeschneiderte Lösungen für die Mobile Benutzer wird es in Hülle und Fülle geben.

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  • 01/12/2010 at 14:52
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    @Heinz Wittenbrink – Ja, ich denke auch, dass dies der interessanteste Punkt ist. Aber auch einer der schwierigsten. Wir haben noch ja erst in den letzten Jahren eine halbwegs funktionierende Hochschulausbildung in Sachen PR zur Verfügung und dieser Punkt benötigt eigentlich ein Duales Studium mit einem HArd-Core BWL Schwerpunkt Prozessmanagement. Ich glaube, dass es nicht viele Menschen gibt, die diese Doppelquali haben.

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  • 01/12/2010 at 13:45
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    Gute Analyse der Situation. Interessant wird sein zu verfolgen, wie sich das Thema „Prozessveränderung“ entwickelt.

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  • Pingback: Tweets die (Meine) PR-Trends 2010 | Grenzpfosten erwähnt -- Topsy.com

  • 01/08/2010 at 10:14
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    @cdv! – Wo wäre die Welt ohne Optimisten 😉

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  • 01/07/2010 at 22:09
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    Die Beobachtung ist grundsätzlich gut und in vielen Belangen zutreffend. Den Optimismus, dass sich die Unternehmen darauf einstellen, sehe ich allerdings noch nicht so. Eher diese Tatsache, dass es weiter auseinander driftet. Unternehmen, die die Zeit erkannt haben und Unternehmen, die zuweilen noch immer eine Homepage aus dem Jahr 2000 haben, Bestellungen nur per Fax annehmen, etc. Ob jene noch den Sprung in dieses Jahrtausend finden, da habe ich so meine Zweifel. Insbesondere die mittelständischen Unternehmen agieren immer noch, als ob es das Internet noch nicht gibt. Meine Erfahrung, allerdings sind es kleinere Mittelständler, zugegeben.

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