Dubai: Grüße aus dem Gaga-Land

Kaum ein Reiseziel hatte bisher bereits im Vorfeld derart meine Vorstellungen und Erwartungen befeuert. Dubai. Mega-Polis. Beton gewordener feuchter Männertraum einer omnipotenten Herrscherfamilie.

In dieser Stadt ist nichts klein-geistig. Nicht einmal der Anflug. Noch während unser Lufthansa-Airbus die Landeklappen ausfährt, schält sich die Skyline aus dem morgendlichen Wüstennebel. Die spitze des über 800 Meter hohen Burj Khalifa Towers sticht keck durch die Wolkendecke und funkelt metallisch in der Morgensonne. Die Kulisse könnte ohne weiteres auch in einem Star Wars-Film vorkommen. Anflug auf Coruscant. Dass dieser Ort etwas Unwirkliches hat, ist nicht nur unser erster Eindruck. Er wird sich durch die drei Wochen unseres Aufenthalts weiter verfestigen.

Wer Dubai die letzten 20 Jahre nicht besucht hat, der dürfte die Stadt nicht einmal ansatzweise wiedererkennen. Wir sind auf dem Weg in die Dubai Marina, einem Stadtteil nicht weit von der im Wasser aufgeschütteten Palmeninsel entfernt. Hier haben sich gleich hinter dem etwa fünf Kilometer langen Sandstrand von Jumeirah Beach rund 120 Wolkenkratzer um einen künstlich geschaffenen Hafen für Sportboote gruppiert. Noch vor sieben Jahren war hier – genau – nichts. Nichts außer Wüste und Meer. Alleine diese Vorstellung raubt einem den Atem.

Dubai Marina, wie das gesamte Emirat ist ein gewaltiges Vabanquespiel. Nirgends auf der Welt stehen so viele Immobilien leer und zwar von der Etagenwohnung bis zum Fünf-Sterne-Hotel. Trotzdem gibt es keine Ecke, an der nicht gebaut würde. So sieht es zumindest aus. Menschen, die den Boom miterlebt haben, sagen, heute würde gar nichts gebaut. Außerhalb der reichen Siedlungen sieht man die Camps der Arbeiter. Abertausende Inder, Pakistanis und Chinesen finden hier ihre Schlafstatt. Dubai ist in jeder Hinsicht eine Blase. Hübsch anzusehen, aber fragil. Erbaut für die Reichsten der Reichen und gebaut von den Ärmsten der Armen. Solange die Ärmsten hier das Dreifache verdienen wie zu hause, wird sich das aus nicht ändern.

Wer erwartet, in Dubai auf ein islamisches Land zu treffen, der wird enttäuscht sein. Wenn Singapur Asien light ist, dann ist Dubai Arabien lighter. Vielleicht, weil die Emiratis mittlerweile eine der kleinsten Minderheiten in ihrem eigenen Land sind. Demensprechend international Bunt ist das Treiben auf den Straßen. Briten, Inder, Chinesen, Deutsche, Franzosen, Libanesen, Amis, Saudis,  Somalis … in Dubai hat niemand das Gefühl, Ausländer zu sein, außer den Einheimischen vielleicht.

Die strengen Sitten und Gebräuche des Islam haben hier jedenfalls eher fakultativen Charakter. Man kann fünf mal am Tag in die Moschee gehen, oder den praktischen Prayer-Room in einer der Malls benutzen. Oder aber man läuft als Frau in kurzen Hosen und Tanktop über den Jumeirah Beach Walk, den Ocean Drive, die Flaniermeile von Dubai. Alles kein Thema. Wenn es überhaupt eine gemeinsame Religion gibt, dann heißt sie Konsum. Dieser Gottheit werden am Golf die größten Tempel geweiht. Die Dubai Mall mit ihrem gigantischen Indoor-Aquarium und der Eisbahn oder die Mall of the Emirates mir ihrer eigenen Skipiste sind nicht nur Shoppingmeilen, sondern auch kulturelle Zentren. Ansonsten bleiben die Emiratis lieber unter sich, was vielleicht auch daran liegen mag, dass man in dem Wüstenstaat keinen Schritt machen kann, ohne dass einen die neugierigen Augen zahlloser Überwachungskameras verfolgen. Die gute Seite daran ist, dass man sich als Tourist völlig angstfrei überall und zu jeder Uhrzeit bewegen kann. Der Nachteil ist das immer wieder nagende Gefühl, in einem Polizeistaat zu sein. Auch das Internet ist zensiert und Punkt 23 Uhr deutscher Zeit wird selbst dem an Biederkeit nicht zu überbietenden ZDF der Saft abgedreht.

Die Souks in Deira, die „traditionellen“ Basare der Altstadt von Dubai, sind gewaltige Touristenfallen und werden erst interessant, wenn man sich abseits der Pfade ins Chaos der verwinkelten Gassen stützt. Hierhin verirrt sich kaum ein Tourist. Dementsprechend ist hier das Leben. Ich meine nicht Kairo-wild, sondern Dubai-wild und wer sich traut, beim Handeln mit dem Juwelier keck einfach mal ein Drittel des ursprünglichen Preises anzugeben, der kann auch ein Schnäppchen machen. Spannender ist da schon der alte Hafen im Dubai Creek, einer Art Fjord, der sich, mit Meerwasser gefüllt,  durch die Altstadt von Deira bis in ein Sumpfgebiet schlängelt. Während weiter vorne in Port Rashid die Kreuzfahrtschiffe das Sagen haben, ist der Dhau-Kapitän hier der uneingeschränkte Herrscher. Dhaus sind anachronistische Holz-Kähne, die – zusammen mit dem Kamel – seit Jahrhunderten das Rückgrat der arabischen Handelstradition bilden. Früher waren die Dhaus mit Segeln ausgerüstet, heute übernimmt der Dieselmotor. Das Schiff ist aber in seinen Formen erhalten geblieben. Auf den Kais stapeln sich die Wahren. Kühlschränke für Tansania, alte Fahrräder für Pakistan, LCD-Fernseher für Somalia, nicht weiter gekennzeichnete Kartons für Iran. Dubai ist eine Handelsnation. Schon immer. Der Handel, nicht das Öl haben Dubai reich gemacht. Mit dem Wassertaxi, den sogenannten Abras, kann man den Creek jederzeit überqueren.

Wer noch einen weiteren Rest arabischer Ursprünglichkeit entdecken will, der muss raus aus der Stadt. Entweder ins nördlicher gelegene Emirat Ras al-Khaima oder Richtung Oman in das Dorf Hatta, das malerisch und verschlafen zu Füßen der Berge liegt. Die Fahrt dorthin führt mitten durch die Wüste, mit ihren roten Sanddünen. Allein: Abenteuer-Feeling will nicht aufkommen. Erstens, weil viele Dünen von den Spuren von Geländefahrzeugen zerfurcht sind. Zweitens gleiten wir auf einer brandneuen vierspurigen Autobahn dahin. Die Emiratis sind eben mit der Modernisierung ihres Landes beschäftigt. Da bleibt wenig Zeit, um sich mit Sentimentalitäten wie der Konservierung der eigenen Kultur aufzuhalten.

So ist es nur auf den ersten Blick ein absurder Witz, dass man, wenn man emiratische Kultur kennenlernen will, am besten bei einer Deutschen aus Oberschwaben vorbeischaut. Nur ein Paar hundert Meter von der Autobahn entfernt ist es noch wild, wüst und ursprünglich. Hier hat SIE ihr Camp aufgeschlagen. SIE, das ist Ursula Musch, viele sagen auch Kamel-Uschi. Bei ihr gibt es noch handgerösteten Kaffee mit Ingwer und ebenso traditionelle wie zum Sterben leckere Rippchen von der Ziege, die sie in Töpfen über dem Lagerfeuer kocht, während die Nacht über die Wüste hereinbricht. Und natürlich hat Kamel-Uschi Kamele. Erstaunliche Tiere, die – das merkt man deutlich bei Uschis Herde – weder dumm noch Charakterlich einfältig sind. Besonders nicht Kamelbulle Habbibi, der das Rauchen und das Pepsi-Trinken zu seinem Lieblingshobby erkoren hat. Seine Sorte ist, natürlich, Camel.

Überragenden Komfort sollte man auf Muschs Anwesen aber nicht erwarten. Auf die Frage nach der Toilette deutet sie in die Wüste. Mit den Worten: Düne sieben. Die Mitnahme von Klopapier ist eine gute Idee. Die Büsche haben Dornen. Araber verirren sich deshalb kaum zu Frau Musch und ihrer Kamelfarm. Kein Klo, kein Strom, keine Klimaanlage, kein Neonlicht. dafür lieben es die Europäer. Auch Politiker und anderen Würdenträger lassen sich hier das rurale an Arabien erklären.

Wer es „etwas“ gediegener haben möchte, der kann nur 130 Kilometer weiter in Abu Dhabi im Emirates Palace absteigen. Etwas ist an dieser Stelle natürlich etwas untertrieben, denn das Emirates Palace ist mit seinen sieben Sternen eines der luxuriösesten, wenn nicht das luxuriöseste Hotel der Welt. Dieser Schrank von einem Luxustempel verbraucht pro Jahr 2,4 Kilogramm Gold, nur um die Blattgoldarbeiten am Gebäude auszubessern. Und natürlich gibt es keinen anderen Platz auf der Welt, an dem sich ein Goldautomat besser platzieren ließe als hier. Wer also eben Lust auf einen Kryger Rand hat, der kann sich die Goldmünze gegen Cash aus dem Automaten ziehen. Seltsamerweise wirkt der Luxusschuppen nicht einmal so protzig und Service und Essen sind nun wirklich vom aller aller aller Allerfeinsten. Insgesamt ist Abu Dhabi etwas ruhig und etwas Bodenständiger als seine schrillere kleine Schwester Dubai. Hier gibt es eine Menge Öl und Gas und man macht mehr aus „altes Geld“. Auch gibt man sich hier einen Tick nachhaltiger und frommer. So ist der Mitabstand beeindruckendste Bau in Abu Dhabi nicht etwa ein Wolkenkratzer oder eine Palmeninsel, sondern eine Moschee. Die muss dann aber schon die viertgrößte der Welt sein. Die Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan Moschee ist ein Traum aus weißem Marmor und Gold. 40.000 Gläubige finden hier Platz.

In Dubai hingegen ist der Prachtbau, wie könnte es anders sein, ein Wolkenkratzer. Der 828 Meter hohe Burj Khalifa sieht aus wie die Vision einer fernen Zukunft. Kein Gebäude auf der Welt ist größer und an einem klaren Tag ist seine Spitze noch in über 90 Kilometern Entfernung sichtbar. Für gut 20 Euro kann man sich ein Ticket für die höchste Gebäudeaussicht der Welt leisten (Hier ein Tipp: Nutzt das Internet, das spart das Schlangestehen). Der Ausblick von der rund 430 Meter hohen Plattform ist der Wahnsinn, zumindest wenn man das Glück hat einen klaren Tag gebucht zu haben.

Doch auch wenn man nach dem Ausflug in den 124. Stock wieder festen Boden unter den Füßen hat, ist das Spektakel noch nicht vorbei, denn zwischen dem Burj Kahlifa und der Dubai Mall findet sich einer der spektakulärsten Springbrunnen der Welt. Zu Musik tanzen hier hunderte Fontänen in einem künstlichen See. Bis zu 150 Meter hoch schließt hier das Wasser. Besonders in den Abendstunden, wenn die Beleuchtung voll zur Geltung kommt. Wasser ist eben ein kostbares Gut in der Wüste. Dementsprechend ist ein besonders verschwenderischer Umgang mit dieser kostbaren Ressource auch ein Zeichen von besonderem Status. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass mit dem „Wild Wadi“ einer der coolsten Wasserparks der Welt vor Ort ist. Hier muss man für die gigantischen Wasserrutschen nicht auf einen Turm laufen. Man lässt sich von einem Wasserstrahl bergauf schießen. Dann geht es für eine gute viertelstunden durch ein Labyrinth aus Abfahrten und Kanälen. Mit der Jumeirah Sceirah verfügt der Park über eine der schnellsten Wasserrutschen der Welt. Bis zu 80 km/h soll man hier schnell werden. Ein Nervenkitzenl der besonderen Art, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Bei Soviel Wasser- und Energieverschwendung ist es nur verständlich, dass sich Dubai auch ein grünes Projekt leistet. Die Metro von Dubai ist ein solches Projekt. Hier kann man, ganz ökologisch korrekt, mit dem Zug zur Mall fahren. Wobei das natürlich auch nicht wirklich korrekt ist, denn hier ist natürlich wieder alle klimatisiert. Die protzigen futuristischen Bahnhöfe ebenso, wie die voll automatisch fahrenden Züge selbst. Und damit die Kält schon da bleibt, wo sie sein soll, gibt es ein Schleusensystem, mit dem der Passagier vom Bahnsteig in den Zug kommt, ohne dass er sich der im Sommer brutalen Hitze aussetzen muss. Aber auch hier muss man bei aller Kritik sagen: Ein fantastisches Projekt: Die Züge sind superpünktlich, blitzsauber, und die Bahnsteige ein Traum aus Marmor und Kupfer.  Damit der geneigte Besucher nicht so weit laufen muss, sind wie auf Flughäfen, Rollbänder eingebaut. So wird das Pendeln zum Luxusprojekt. Besonders, wenn man erster Klasse fährt.

Muss man also nach Dubai fliegen? Muss man sich das anschauen? Die Frage kann ganz klar mit einem „Ja“ beantworten. Ob es einem gefällt, hängt von vielen Faktoren ab. Vor allem davon, wie schnell man sich an Luxus und Verschwendung gewöhnen kann. Meiner Erfahrung nach geht das recht schnell. Man man Dubai mag? Das muss jeder für sich selbst herausfinden.

[nggallery id=1]

5 Gedanken zu „Dubai: Grüße aus dem Gaga-Land

  • 12/25/2013 um 20:27
    Permalink

    Wir wollten zu Ihnen kommen,wuerden Sie uns Ihre Telefonnummer und die Adresse geben.danke Ihnen

    Antwort
  • 12/31/2012 um 01:35
    Permalink

    hallo uschi muschi ich kommen nach dubai im september zu dir wünsche dir alles gute und glückliches neues jahr 2013 deine claudia musch

    Antwort
    • 09/09/2013 um 11:53
      Permalink

      Hallo Claudia, leider habe ich die Nachricht erst jetzt gelesen!
      Du kannst Dich aber trotzdem mit mir in Verbindung setzen, viell. kommst Du ja mal wieder…..?!

      Antwort
  • 01/16/2012 um 13:03
    Permalink

    Estas são imagens impressionantes do que tem sido a evolução do Dubai nos últimos anos!

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.