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Liebe Journis: Kehrt vor der eigenen Haustür

8 Februar 2012 3 Kommentare

Die Debatte um die Welle von Vorteilsnahmen von BP Wulff nimmt bizarre Züge an. Klar, kommunikatorisch ist Wulff die Sache “semioptimal” angegangen, aber der Genuss, mit dem mancher Kollege der schreibenden Zunft die Verfehlungen des höchsten Amts im Staate zerpflückt ist schon bemerkenswert. Natürlich haben die Medien alles Recht und auch die Pflicht, diesen Dingen nachzugehen, aber das Problem daran ist die Doppelmoral. Denn wer im glücklichen Besitz eines Presseausweises ist, der kann sich viele nette kleine Annehmlichkeiten wulffen, wie man ja jetzt  Neudeutsch sagt.

Viele große und kleine Unternehmen bieten Journalisten erhebliche Rabatte, ja, es gibt sogar eigene Plattformen im Internet, wo sich der geneigte Journalist umsehen kann, wo er die fettesten Vorteile abgreifen kann.

Der PR-Value solcher Aktionen ist unbestritten, aber ich frage mich schon: Inwieweit tragen diese Rabatte dazu bei, dass Journalisten im Anschluss ein ausgewogenes und kritisches Bild transportieren? Es ist ganz so, wie Götz Aly schreibt:

Derzeit verlangen viele von ihnen „vollständige Transparenz“ von Wulff, während sich zehntausende Medienleute in aller Stille ihrer Rabatte und kleinen Vorteile erfreuen. Diese Rabatte werden niemals uneigennützig gegeben; der einzelne Journalist verdankt sie nicht eigenem Verdienst, sondern der generellen Machtposition, die Medien in der Öffentlichkeit zukommt. Der Fall Wulff ist eine schöne Gelegenheit, vor der eigenen Türe zu kehren.

Mein persönlicher Liebling ist übrigens die Seite pressekonditionen.de. Die hat auch noch eine Kommentarfunktion, in der die Journis (oder zumindest die Besitzer eines Presseausweises) kommentieren, ob Sie mit dem Rabatt auch zufrieden sind. Beim Stöbern in den Kommentaren kann man tief blicken.

 

Bild: CC-BY f650biker on Flickr