Pressemitteilung: Weniger ist mehr

Dieser Beitrag  in Newsweek hat mich ins Grübeln gebracht. In ihm beschreibt der US-Journalist Zack Schonfeld folgendes Experiment:

I set about engaging with the digital strangers who pop into my inbox every workday. In brief: I replied to every PR email I received for an entire week, regardless of the subject matter or sender.

Die Konsequenz: Er kommt nicht mehr dazu, das zu tun, wofür er eigentlich bezahlt wird. Geschichten schreiben. Auch die Reaktionen auf den Artikel haben mich nachdenklich gemacht. Mein US PR Kollege Paul McKeon wusste nicht, ob er lachen oder weinen soll und Volker Rißka von Computerbase meint dazu:

Macht man sowas, kommt man zu nix anderem

Auch ich verschicke Pressemeldungen, und (klar) auch ich verschicke sie an einen ziemlich großen Verteiler. Klar, wir versuchen, verschiedene Verteiler zu pflegen, um möglichst zielgenau zu informieren. Aber das Grundproblem bleibt: Auch ich trage mit meinen Mails dazu bei, dass die Postfächer meiner Kunden (als solche betrachte ich Journalisten) überquellen.

Hier stellt sich die Frage nach Alternativen und Lösungswegen, denn es kann nicht im Sinne der PR sein, die Journalisten so zu „überfüttern“, dass sie keine Zeit mehr haben über meine Informationen zu schreiben. Das führt den Sinn der Pressemitteilung ad absurdum.

Leider ist die Pressemitteilung bisher konkurrenzlos: Social Media Evangelisten haben lange die Theorie „The news finds you“ geprägt. Fakt ist aber, es stimmte noch nie so wenig wie heute.  Also bleibt in Wirklichkeit nur die gute alte PM.

Das Problem ist von spieltheoretischer Natur. Jeder weiß, dass man am Ende nicht mehr (so gut) zum Journalisten durchdringt, wenn alle ihn mit PMs bombardieren. Andererseits müssen wir alles tun, damit jeder (zuständige) Journalist von unseren News erfährt. Also ballern wir alle. Hinzukommt, dass die PM so wunderbar skaliert. Im Verhältnis Aufwand zu nutzen ist sie immer noch ungeschlagen.

Alternativen? Keine echten.

Wenn also einem etwas daran liegt, dass PR noch zum Journalisten durchdringt (und ich denke das ist in unser aller Interesse als PR-Menschen), dann ist es interessant, sich nach Alternativen umzusehen.

  • Social Media: Ja SoMe gehört zum Handwerkszeug, aber eignet es sich auch als Distributionskanal für PMs? Ich denke nein. Einerseits weil eine PM ja nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist sondern einen Informationsreiz für den Journalisten bieten soll (Texte an Konsumenten müssen anders gestaltet werden). Außerdem haben Twitter und Co das Problem, dass der Nachrichtendurchsatz noch viel höher ist als via E-Mail. Die Gefahr, dass der Journalist hier etwas verpasst ist ungleich höher und das ist nicht in meinem Sinne. 🙂
  • Presseboxen: Sind wüste Spam schleudern. Ich habe noch nie von einem Journo der Tatsächlich auf dieser Basis eine Geschichte verfasst hat.
  • Target Pitch: Statt eine Pressemitteilung zu versenden könnte man ausgewählt Journalisten auch anrufen, Ihnen die Story erklären und bei Interesse Info-material nachsenden. Das mache ich bisweilen bei wirklich exklusiven Dingen wie z.b: Vorstandsinterviews oder Einladungen zu exklusiven Events. Aber bei einem Produktlaunch will ich maximale Breitenwirkung in der Presse das wäre mit dieser Methode uferlos.
  • Online Newsroom: Klar, jeder hat heute einen Online Newsroom. Der Charme als PM-Alternative läge darin, dass Journalisten den Feed des Newsooms abonieren können. Das geschieht auch schon zum Teil aber nicht auf ganzer Ebene. D.H. auf den Newsroom alleine kann man sich nicht verlassen. Und selbst wenn: Auch die Benachrichtigungen des Newsrooms müssen versandt werden. Als E-Mail 😉

House Keeping

Was bleibt? Im Moment nur die Zusammenarbeit von PR-ler und Journalist. Der PR-ler muss seine Verteiler so spitz wie möglich gestalten und der Journalist muss sich melden, wenn die PM Thematisch nicht passt. Ich persönlich freue mich über jeden Journalisten der mir schreibt „Nehmt mich vom Verteiler“. Denn das bedeutet, dass wir die Qualität unserer Pressearbeit weiter verbessern können. Denn eines ist auch klar. Wenn der Journalist von Mails erschlagen wird, dann wird er sich auf jene konzentrieren, die ihm am häufigsten relevante Informationen liefern. Man kann sich also als PR-ler einen guten Ruf erarbeiten und darauf wird es besonders ankommen.

 

Bild: CC-BY

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